„DAS UFER - Gruppe 1947 Dresdner Künstler“

 

Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Künstler vor eine neue neue historische Situation gestellt. Faschismus und Krieg hatten ungeheure Zerstörung hinterlassen. Die Kunststadt Dresden war ein Trümmerfeld. Es fehlten Ateliers, Ausstellungsräume und Arbeitsmaterial; die alte Käuferschicht existierte nicht mehr. Eine „Handvoll“ Maler, durch die Kriegsjahre geprägt, suchten einen neuen Weg: Sie wollten zeigen, daß selbst in dieser schweren Zeit Kunst notwendig sei.

 

Die Dresdner Maler Siegfried Donndorf, Rolf Krause und Ewald Schönberg vereinten sich mit Rudolf Bergander, Rudolf Nehmer, Karl-Erich Schaefer und Fritz Skade zu einer Gruppe. Auf Vorschlag des Kunstschriftstellers Kurt Liebmann, der für Jahre ihr treuer Mentor wurde, nannte sie sich „DAS UFER - Gruppe 1947“. In den folgenden Jahren erweiterte sich die Gruppe durch den Beitritt der Künstler Herbert Aschmann, Gerhard Augst, Hans Christoph, Gerhard David, Erich Fraaß, Ernst Grämer, Otto Griebel, Hainz Hamisch, Alfred Hesse, Willy Illmer, Hans Jäger, Hans Kinder, Johannes Kühl, Herbert-Oswald Kunze, Erna Lincke, Rudolf Löhner, Walter Meinig, Max Möbius, Franz Nolde, Karl Papesch, Walter Reinhold, Helmut Schmidt-Kirstein, Paul Sinkwitz, Fritz Tröger und Willy Wolff. Als Gäste kamen die Künstler Marianne Focker, Willy Jahn, Lucie Prussog-Jahn und Kurt Querner hinzu. Anregungen gaben auch Hans und Lea Grundig.1

 

„DAS UFER ist uns das Sinnbild für das Gegründete, für das Gewachsene der unverbrauchten, immer reichen und vielgestaltigen Lebensformen. Wir wollen das Wesen dieser Formen sichtbar machen und streben gleichzeitig die Beseelung der Materie durch ein starkes und echtes Gefühl an. Das liebende Verhältnis zum Wirklichen verbindet uns mit dem, was Größere vor uns an Gutem und Gültigem erkannten und schufen. Dieses zu bewahren und aus der Erneuerung unseres heutigen Daseins Kunst zu gestalten, die dem Mitmenschen Trost und Freude, Erschütterung und Erhebung zu bringen vermag, ist unser Ziel.“2

 

Die Frage, wie die bestehende Kluft von Künstler und Volk zu schließen sei, war ein Schwerpunkt Ihrer Diskussionen. Studienaufenthalte in industriellen oder ländlichen Betrieben erweiterten den Blick der Künstler und führten zum vertieften Verstehen des arbeitenden Menschen. Gleichzeitig wollten sie das Bewußtsein der Arbeiter ansprechen und verändern.

 

In den fünf Jahren des Bestehens der Gruppe fanden 11 Ausstellungen in Museen und Kunstinstituten statt (Bautzen, Berlin, Dresden, Görlitz, Glauchau, Meißen, Schwarzenberg, Zwickau). Es wurden 43 Kunstausstellungen in z.B. folgenden Verwaltungs- und Industriebetrieben organisiert:

  • Landesregierung Sachsen,
  • Landesvorstand der SED Sachsen
  • Landessender, Mitteldeutscher Rundfunk,
  • Sachsenverlag Dresden,
  • Siemens-Glas Sörnewitz,
  • Schleifscheibenfabrik Reick,
  • Porzellanmanufaktur Meißen,
  • Gardinenmanufaktur Reick,
  • Chemische Fabrik v. Heyden Radebeul,
  • Schlachthof Dresden,
  • Verkehrsbetriebe Dresden,
  • Landesdruckerei Sachsen,
  • Transformatorenwerk Uebigau,
  • Sachsenwerk Niedersedlitz.3

 

Die Gruppe stellte auch für die Allgemeine Deutsche Kunstausstellung 1949 fünf Kollektive zur Verfügung, die in Industriewerken Pläne für monumentale Wandgemälde entwarfen.

 

Jedoch: „Die Ufer-Leute legen sich nun durchaus nicht fest auf ein neues Genre: Fabrik- und Arbeiterbild. Sie zeigen auch Landschaften und bringen im weitesten Sinne: Leben.“ 4 Am 05.03.1952 löst sich die Gruppe nach fünfjährigem Bestehen auf. Die Liquidierung dieser Gruppe erfolgte unter der Erklärung, daß Gruppen innerhalb des Verbandes Bildender Künstler nicht mehr notwendig seien und die Verbandarbeit eventuell sogar stören könnten5.

 

Referenzen:

1 DAS UFER Gruppe 1947 Dresdner Künstler, Malerei – Grafik – Plastik 1947-52, Ausstellung im Pretiosensaal Dresdner Schloß vom 12.9. bis 14.10.1984.

2 Vorwort Ausstellungskatalog Ausstellung im Stadtmuseum Bautzen 1948.

3 Bericht über die gesellschaftlichen Aufträge, die DAS UFER von 1947 – 1950 übernahm, in: DAS UFER Gruppe 1947 Dresdner Künstler, Malerei – Grafik – Plastik 1947-52, Ausstellung im Pretiosensaal Dresdner Schloß vom 12.9. bis 14.10.1984.

4 Kurt Liebmann, Vorwort Ausstellungskatalog Sommerausstellung 1949.

5 Protokoll letzte Mitgliederversammlung 1952, in: DAS UFER Gruppe 1947 Dresdner Künstler, Malerei – Grafik – Plastik 1947-52, Ausstellung im Pretiosensaal Dresdner Schloß vom 12.9. bis 14.10.1984.